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12.05.2012

Die erste Marsmission der ESA auf Storify

Von der Erde zum Mars

Storify ist eine neue kostenlose Internet-Plattform auf der sich Reportagen und Geschichten mit Social Media Beiträgen verknüpfen lassen. Design & Data hat die Seite getestet und eine Dokumentation der ersten Simulation eines bemannten Fluges zum Mars erstellt. Einer von sechs Test-Raumfahrern war der italienische Ingenieur Diego Urbina. Mit seinen Meldungen aus der Raumstation schufen wir eine Geschichte, die jetzt bei Storify nachzuvollziehen ist.

Am 3. Juni 2010 schloss sich hinter sechs Männern eine schwere, luftdichte Stahltür. Es war die Schleuse zu einer 243 m2 großen Raumstation in der Nähe von Moskau, die niemals die Erde verlassen würde. An Bord waren der 31-jährige Romain Charles, Ingenieur aus Frankreich, der aus China stammende 27-jährige Taikonautenausbilder Wang Yue, aus Russland Suchrob Kamolow, 32 Jahre, Chirurg, Alexander Smolejewski, 33 Jahre, Allgemeinarzt, die beiden Ingenieure Michail Sinjelnikow, 37 Jahre, und Alexei Sitjew, 38 Jahre, und der 27-jährige, italienische Ingenieur Diego Urbina.

Erst am 4. November 2011, fast eineinhalb Jahre später, öffnete sich die schwere Türe wieder. In der Zwischenzeit erlebte die Crew die erste Reise zum Mars so realistisch wie möglich: Es gab etliche wissenschaftliche Experimente, medizinische Untersuchungen, Fitnesstrainings, Reparaturen und Reinigungsarbeiten, sogar Notfälle und Katastrophenübungen waren zu bewältigen und alle fünf Tage gab es ein arbeitsfreies Wochenende. Die Männer erlebten die Fußballweltmeisterschaft 2010, Weihnachten und ihre Geburtstage auf der Raumstation. Kontakt zur Bodenstation hielten die Raumfahrer nur über eine Funkverbindung und E-Mail. Der Funkkontakt wurde sogar entsprechend der fiktiven Entfernung zur Erde verzögert, so wie es bei einer echten Reise zum Mars sein würde.

Doch während der Simulation lag der Fokus der Wissenschaftler nicht nur auf den technischen Herausforderungen, sondern auch auf den Menschen. Wie würden Psyche und Körper mit dieser strapaziösen Langzeitisolation umgehen? Welche Bakterien würden sich am besten vermehren und welche sozialen Spannungen würden entstehen? Um die teilweise komplexen Fragen möglichst genau beantworten zu können, sammelten die Forscher viele Daten mit den unterschiedlichsten Methoden. Aber nicht nur Messinstrumente zeichneten mit: Diego Urbina führte während der gesamten Zeit an Bord Videotagebuch und schickte von „unterwegs“ kontinuierlich Clips, Tweets und Fotos zur Erde. Wir führten seine Aufzeichnungen von YouTube, Twitter und der ESA-Homepage zusammen und bündelten sie mit Hilfe von Storify zu einer spannenden Dokumentation in Echtzeit.

Storify: Einfache Bedienung – große Wirkung

Auf der Benutzeroberfläche von Storify gelangt man über die einzelnen Tabs der Sidebar zu den Social Networks Facebook, Twitter, YouTube, Flickr und Instagram. Dort sucht man den Beitrag, den man in seiner Story haben möchte, und fügt ihn per Drag and Drop in seine Timeline ein. Man kann auch URLs eingeben oder Texte aus anderen Storify Artikeln verwenden, die das Thema der Story weiterführend erklären. Selbstverständlich kann man auch eigene Texte schreiben und die Geschichte erzählen und kommentieren.

Für die Reportage der Reise ''Mars 500 – 520 days on the web'' lieferten wir dem Leser aktuelle Beiträge und Infos - von den Fakten der Reise bis zur Gefühlswelt der Raumfahrer. Alles fast in Echtzeit. Beinahe war man mit an Bord. Am 7. September 2010, Tag 91 der Mission, schrieben wir: „The crew wrote a letter to the Chilean miners after they came to know about the dangerous occurrence.“ Der nächste Link der Story führt zu Diego Urbinas Twitter Feeds des selben Tages. Er schrieb: „anyway, we wrote a letter for them.We hope it arrives...those guys are truly brave.“ Weiter unten folgt ein Link zu einem Tagebuch- Artikel auf der ESA-Homepage, Science and thoughts of Chilean miners. Darin schreibt ein Crewmitglied detailliert über kognitive Experimente und persönliche Gedanken zu den 33 verschollenen Minenarbeitern in Chile.

Trotz kleiner Mängel sehr vielversprechend

Unsere Meinung: Storify ermöglicht eine gänzlich neue Form des Onlinejournalismus, ohne zusätzliche Blog-Software. Das Zusammenfügen unterschiedlicher Social Media Berichte funktioniert einfach und ohne immer wieder die Struktur des Artikels verändern zu müssen. Der Leser kann mit dem klaren Seitenaufbau und den Links zwischen den Beiträgen immer frei wählen, welche Quellen ihn besonders interessieren. So kommt er auch leicht zu den Seiten mit den meisten Informationen über das von ihm fokussierte Thema.

Allerdings hat die Version noch einige kleine Macken. Zum Beispiel gibt es immer wieder Ladeprobleme beim Einsehen des Textes. Eine Suchleiste, um genutzte Quellen wiederzufinden, würde die Bedienbarkeit verbessern. Leider ist es auch nicht möglich, den gewählten Arbeitstitel eines Dokuments zu ändern. Trotz dieser Mängel ist Storify ein spannendes und vielversprechendes Tool. Zu bedenken ist aber: Für die Stories verwendet man meist fremde Videos oder Meldungen, die sich außerhalb der Kontrolle der Redakteure befinden. Das erfordert eine hohe Achtsamkeit. Und wer Inhalte von Facebook verwendet, muss besonders aufmerksam sein. Schnell verlinkt man Inhalte von Freunden, die gar nicht für die Öffentlichkeit freigegeben waren. Darum gilt auch bei Storify: Gut recherchieren und Quellen prüfen, dann wird es eine feine Story.

zur ESA Marsmission bei Storify